CO₂ als Rohstoff für nachhaltige Klebstoffe

Klimafreundliche Klebstoffe durch Carbon Capture and Utilization (CCU)

Übersicht zur direkten Nutzungsstrategie von CO₂
© Fawaz Al Hussein, Fraunhofer IFAM
Übersicht zur direkten Nutzungsstrategie von CO₂.

CO₂ verursacht nicht nur Emissionen – es kann auch zum Rohstoff werden. Genau hier setzt das Projekt „CO₂ Adhesive“ des Fraunhofer IFAM an. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Kohlenstoffdioxid (CO₂) im Rahmen von Carbon Capture and Utilization (CCU) chemisch binden und für die Entwicklung nachhaltiger Klebstoffe nutzen lässt. Ziel ist es, fossile Rohstoffe teilweise zu ersetzen und neue Wege für eine ressourcenschonende Materialentwicklung zu erschließen – bspw. für Anwendungen in der Klebstoff-, Verpackungs-, Automobil- oder Elektronikindustrie.

 

Wie kann CO₂ als Rohstoff genutzt werden?

Kohlenstoffdioxid gilt als einer der wichtigsten Treiber des menschengemachten Klimawandels. Neben der Reduzierung von Emissionen gewinnt deshalb die Nutzung von bereits vorhandenem CO₂ zunehmend an Bedeutung. Ein wichtiger Ansatz hierfür ist Carbon Capture and Utilization (CCU). Dabei wird CO₂ abgeschieden und als alternative Kohlenstoffquelle für neue Produkte und Materialien eingesetzt.

Die Besonderheit im Projekt „CO₂ Adhesive“ ist es, dass untersucht wird, wie sich CO₂ unter milden Reaktionsbedingungen – überwiegend bei Normaldruck (1 atm) – chemisch binden und in nutzbare Rohstoffe überführen lässt. Dabei kommen bereits verfügbare und einfach zugängliche Ausgangsstoffe zum Einsatz.

 

Von CO₂ zum Klebstoff – die gesamte Wertschöpfungskette im Blick

Das Projekt betrachtet den gesamten Entwicklungsprozess: von den Ausgangsstoffen über die Synthese CO₂-basierter Rohstoffe bis hin zur Entwicklung funktionaler Klebstoffmaterialien.

Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht es, nicht nur neue Materialien zu entwickeln, sondern auch ihre industrielle Herstellbarkeit und Anwendbarkeit frühzeitig zu bewerten. Ziel ist es, CO₂ langfristig als nachhaltige Kohlenstoffquelle für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen.

 

Schmelzklebstoffe als Anwendungsbeispiel

Als Demonstrator dient die Entwicklung eines CO₂-basierten Schmelzklebstoffs. An diesem Beispiel untersuchen die Forschenden, ob sich die entwickelten Rohstoffe hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Verarbeitung und Praxistauglichkeit mit konventionellen Lösungen vergleichen lassen.

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse darüber, welches Potenzial CO₂-basierte Klebstoffe für unterschiedliche industrielle Anwendungen besitzen.

 

Forschung und Industrie entwickeln gemeinsam klimafreundliche Lösungen

Das Projekt wird unter der Leitung von Dr. Fawaz Al Hussein vom Fraunhofer IFAM und der Bühnen GmbH & Co. KG gemeinsam durchgeführt. Die enge Zusammenarbeit verbindet wissenschaftliche Forschung mit industrieller Anwendung und ermöglicht es, sowohl die technische Machbarkeit als auch die wirtschaftliche Umsetzbarkeit der entwickelten Technologien zu bewerten.

Das Vorhaben wird durch die Bremer Aufbaubank gefördert.

  • Carbon Capture and Utilization (CCU) bezeichnet Verfahren, bei denen Kohlenstoffdioxid (CO₂) abgeschieden und anschließend als Rohstoff für neue Produkte oder Materialien genutzt wird. Ziel ist es, CO₂ als alternative Kohlenstoffquelle einzusetzen und fossile Rohstoffe teilweise zu ersetzen.

  • CO₂ kann chemisch in neue Ausgangsstoffe für Produkte wie Kunststoffe, Chemikalien, Kraftstoffe oder Klebstoffe umgewandelt werden. Voraussetzung ist, dass das CO₂ durch geeignete chemische oder biotechnologische Verfahren in nutzbare Verbindungen überführt wird.

  • CO₂-basierte Rohstoffe können fossile Rohstoffe in bestimmten Anwendungen teilweise ersetzen. Ob dies möglich ist, hängt von den Materialeigenschaften, den Herstellungsverfahren sowie den technischen und wirtschaftlichen Anforderungen der jeweiligen Anwendung ab.

  • CO₂-basierte Schmelzklebstoffe befinden sich derzeit in Forschung und Entwicklung. Ziel ist es, ihre Leistungsfähigkeit, Verarbeitbarkeit und Praxistauglichkeit nachzuweisen, damit sie künftig für industrielle Anwendungen geeignet sein können.

  • Klebstoffe auf Basis von CO₂ können dazu beitragen, fossile Rohstoffe einzusparen und alternative Kohlenstoffquellen zu nutzen. Wie nachhaltig sie tatsächlich sind, hängt unter anderem von der Herkunft des CO₂, den verwendeten Herstellungsverfahren und dem gesamten Lebenszyklus des Produkts ab.

  • Die chemische Bindung von CO₂ unter milden Reaktionsbedingungen kann den Energiebedarf und den technischen Aufwand im Vergleich zu Verfahren mit hohen Temperaturen oder Drücken reduzieren. Dadurch lassen sich Prozesse unter Umständen wirtschaftlicher gestalten und leichter in industrielle Anwendungen integrieren.