Rasterkraftmikroskopie (AFM)

Topografie- und Materialanalyse im Nanometerbereich

Die Rasterkraftmikroskopie (Atomic Force Microscopy, AFM) ist eine zentrale Methode zur Topografieanalyse und charakteristischen Materialuntersuchung auf der Nanometerskala. Mit höchster lateraler und vertikaler Auflösung liefert AFM detaillierte Informationen über Oberflächenstrukturen, Rauheit und lokale Materialeigenschaften. Zudem wird die Rasterkraftmikroskopie zur Korrelation mechanischer, elektrischer und chemischer Eigenschaften eingesetzt.

 

Funktionsprinzip – so arbeitet die AFM

Bei der Rasterkraftmikroskopie tastet eine feine Messspitze, die sich an einem flexiblen Hebel (Cantilever) befindet, die Probenoberfläche Zeile für Zeile ab. Die Wechselwirkungen zwischen Spitze und Probe – z.B. elektrostatische oder adhäsive Kräfte – verursachen kleinste Auslenkungen des Cantilevers, die über einen Laserstrahl detektiert werden.

Aus diesen Signalen entsteht ein 3D-Bild der Oberfläche mit einer vertikalen Auflösung im Bereich weniger Ångström und einer lateralen Auflösung bis unter 10 Nanometer.

Durch spezielle Messmethoden lassen sich zusätzlich Materialeigenschaften erfassen, wie z.B.:

  • Elastizitätsmodul (E-Modul)
  • Adhäsionskräfte
  • Reibungseigenschaften
  • Elektrische Leitfähigkeit und Spannungsverteilung
  • Magnetische oder piezoelektrische Eigenschaften

Stärken der Rasterkraftmikroskopie

  • Höchste Auflösung
    Nanometergenaue Abbildung von Topografie und Strukturen
  • Vielseitigkeit
    Mechanische, elektrische und chemische Eigenschaften erfassbar
  • Zerstörungsfreie Analyse
    Schonende Messung empfindlicher Materialien und Beschichtungen
  • Großflächige Messungen
    Messbereiche bis 80 µm ermöglichen die Analyse größerer Strukturen oder Übergangsbereiche
  • 3D-Darstellung
    Präzise Visualisierung von Höhenprofilen, Partikeln oder Oberflächenstrukturen
  • Kombinierbarkeit
    Integration mit optischen und spektroskopischen Verfahren wie PiFM, Raman oder REM

Grenzen der Methode

  • Messgeschwindigkeit
    Die Abtastung erfolgt punktweise, größere Flächen benötigen daher längere Messzeiten
  • Probenanforderungen
    Sehr raue oder stark strukturierte Oberflächen können nur eingeschränkt erfasst werden
  • Interpretation
    Die Ergebnisse sind stark von Messparametern und Spitzengeometrie abhängig – eine erfahrene Datenauswertung ist daher essenziell

Typische Anwendungsfelder

  • Rauheits- und Topografieanalyse
    Bewertung von Oberflächenstrukturen, Beschichtungen und Lackierungen
  • Materialcharakterisierung auf der Nanoskala
    Ermittlung von Elastizität, Adhäsion oder Reibung in Kleb- und Funktionsschichten
  • Qualitätssicherung und Schadensanalytik
    Untersuchung von Mikrodefekten, Haftungsproblemen und Strukturveränderungen
  • Forschung und Entwicklung
    Analyse von Nanokompositen, Funktionsmaterialien und Plasma- oder Laserbehandelten Oberflächen

 

Anwendungsbeispiele

Use Case 1: AFM-Analyse an einer Kohlenstoff-Elektrode

Mithilfe der Rasterkraftmikroskopie wurde die Struktur einer Kohlenstoffelektrode im Querschnitt im Rahmen einer Prozessentwicklung untersucht. Die Verteilungsbilder geben die Größenverteilung der Kohlenstoffpartikel und deren elektrische Kontaktierung wieder. Einzelne kleinere Partikel leiten kaum oder gar keinen Strom, was die elektrochemische Performance der Elektrode einschränkt. Das Verteilungsbild des E-Moduls zeigt zudem die verfüllte poröse Haftvermittlerschicht auf der Oberfläche der Al-Folie.

Die Ergebnisse demonstrieren die einzigartigen Vorteile AFM-basierter Analysenverfahren: Verschiedenste Informationen können simultan mit hervorragender Auflösung erfasst werden, sodass der Komplexität strukturierter Materialsysteme Rechnung getragen wird.

AFM-Analyse
© Fraunhofer IFAM
AFM-Analyse an einer Kohlenstoffelektrode zur Aufklärung der Elektrodenstruktur

Use Case 2: AFM-Analyse einer defekten Barriere-Plasmabeschichtung

Eine defekte Barrierebeschichtung (PECVD-Beschichtung) auf einem Kunststoffmaterial wurde mittels AFM untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte Rissstruktur und lokale Ausbrüche infolge einer mechanischen Überlastung oder ungünstiger Schichteigenschaften. 

AFM-Analyse einer defekten Barrierebeschichtung
© Fraunhofer IFAM
AFM-Analyse einer defekten Barrierebeschichtung

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