Eine zugrunde liegende Wechselwirkung, die langläufig mit Korrosion in Verbindung gebracht wird, ist die Metallauflösung in wässriger Umgebung[1]. Diese ist elektrochemischer Natur, da über die Phasengrenze Metall – Umgebung Ladungen ausgetauscht werden. Folgende Primärreaktionen laufen dabei ab:
In wässriger Umgebung gehen Metalle als Kationen in Lösung (anodische Reaktion):
Metallauflösung: Meà Men+ + e-
(„Me“ steht stellvertretend für jedes metallische Element aus dem Periodensystem)
Wenn der Prozess der Metallauflösung kontinuierlich weiterläuft muss die negative Ladung über andere elektrochemische Reaktionen wieder an die Umgebung, hier ein wässriger Elektrolyt, abgegeben werden. Je nach Bedingungen treten vornehmlich zwei dieser kathodischen Reaktionen vornehmlich auf:
Sauerstoffreduktion: H2O + O2 + 4 e- à 4OH-
Wasserstoffbildung: 2H3O+ + 2e- à 2 H2O + H2
Damit diese Reaktionen ablaufen können müssen also diese vier chemischen Komponenten vorhanden sein:
- das Metall selber
- Wasser
- ein Oxidationsmittel, wie z. B. gelöster Sauerstoff oder aber Wasser selber in Form des Hydronium-Ion H3O+
- Salze, die zur Leitfähigkeit des Elektrolyten beitragen
Eine weitere Voraussetzung, dass die Reaktionen freiwillig ablaufen ist, dass das elektrochemische Potential der Metallauflösung niedriger sein muss als das der kathodischen Reaktion. Dies ist bei den meisten Gebrauchsmetallen gegenüber der Sauerstoffreduktion gegeben. Nur bei einigen Edelmetallen wie z. B. Gold und Platin ist unter gängigen Bedingungen das elektrochemische Potential so hoch, dass sich diese Metalle dann nicht auflösen „wollen“.
Zusammengefasst kann die Metallauflösung in wässriger Umgebung also auftreten, wenn die genannten vier chemischen Komponenten vorhanden sind, das elektrochemische Potential der Metallauflösung hinreichend niedrig ist und sich keine schützende Schicht ausbildet, die die Metallauflösung hemmt.