Warum Titan eine gezielte Oberflächenvorbehandlung braucht
Titan verbindet hohe spezifische Festigkeit, geringe Dichte und sehr gute Korrosionsbeständigkeit mit ausgezeichneter Biokompatibilität. Deshalb wird der Werkstoff unter anderem in der Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, chemischen Industrie und im Leichtbau eingesetzt. Gleichzeitig stellt die sehr stabile natürliche Oxidschicht hohe Anforderungen an die Oberflächenvorbehandlung: Für Kleben, Beschichten, Fügen oder funktionale Oberflächen müssen Reinheit, Rauheit, Benetzbarkeit und Oberflächenchemie gezielt eingestellt werden.
Die nasschemische Vorbehandlung umfasst Reinigungs-, Beiz-, Polier- und Oxidationsprozesse, bei denen die Titanoberfläche in wässrigen Prozessmedien gezielt verändert wird. Je nach Bauteilgeometrie und Anforderung können die Verfahren als Tauchbad, elektrochemisch oder auch als lokaler Auftragsprozess ausgeführt werden. Ziel ist eine reproduzierbar funktionalisierte Oberfläche als Grundlage für nachfolgende Beschichtungen, Klebprozesse oder funktionale Anwendungen. Die Verfahren lassen sich spezifisch auf verschiedenste Titanlegierungen anwenden.
Die Verfahren im Vergleich
| Verfahren | zielsetzung | typisches ergebnis | besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Beizen | Entfernen stabiler Oxidschichten und sauerstoffangereicherter Randzonen | reduzierte Oberflächenversprödung nach Wärmebehandlung | wärmebehandelte Titanbauteile |
| Elektropolieren | Glättung, Abtrag kleiner Rauheitsspitzen | sehr glatte, saubere, gut reinigbare Oberflächen | komplexe Geometrien, Oberflächen mit hoher Anforderung an Ebenheit, additiv gefertigte Bauteile |
| Anodisieren | elektrochemisches Verdicken der Oxidschicht | fest haftendes amorphes Titanoxid, dicht, dünn oder strukturiert | Korrosionsschutz, Biokompatibilität, elektrische Isolierung, Haftvermittlung, Interferenzfarben |
| PEO / Mikro-Arc-Oxidation | lokale Plasmaentladungen bei hohen Spannungen |
keramische, nanokristalline, meist poröse, fest haftende Oxidschichten | Härte, Verschleißbeständigkeit, Biokompatibilität, funktionalisierbare Oberflächen |
Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM